Herzlich Willkommen in der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai.

Sie finden uns in der Oberkirche in Cottbus sowie in den umliegenden Dörfern Branitz, Dissenchen und Merzdorf.
Lassen Sie sich einladen zu unseren Veranstaltungen und Gemeindekreisen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Oberkirche St. Nikolai
Oberkirchplatz 12
03046 Cottbus

Öffnungszeiten:

April bis Oktober: täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr
November bis März: täglich von 11:00 bis 16:00 Uhr
 

Monatsspruch September 2019:

Jesus Christus spricht: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Mt 16,26)

Matthäus schlägt anders als die anderen Evangelisten oft einen derben Ton an, der ihn in die Nähe der Gerichtspropheten wie Amos oder Hosea rückt. Er stellt die Menschen vor ganz klare Alternativen: So oder so – je, wie ihr euch entscheidet – Tod oder Leben; Sünde oder Gnade; Segen oder Fluch. Die Frohe Botschaft ist bei Matthäus verbunden mit dem Gericht. Im Kontext unseres Monatsspruch wird das besonders deutlich (Mt 16,24-28). Bei Matthäus steht immer alles auf dem Spiel. Abwägendes „sowohl als auch“ oder „einerseits und andererseits“ sind seine Sache nicht. Der Händedruck des Glaubens ist bei ihm nicht weich vor lauter Kompromissen, die einen gefällig werden lassen. Sein Händedruck ist kräftig, für zarte Seelen vielleicht sogar ein wenig schmerzhaft. Er verbiegt sich nicht in der Gefälligkeit einer anpassungsstarken Karriere.

Matthäus ist entschieden für die Sache Jesu, unerbittlich in den Dingen des Glaubens und kompromisslos im frommen Handeln. Er spitzt die Dinge zu, radikalisiert, sucht eine Eindeutigkeit, die die Zweifel vertreibt. Diese Klarheit soll der Seele zum Heil helfen – im Leben des Lebens und im Leben danach. Matthäus ist überzeugt, dass ein Glauben, der sich anpasst, der Seele Schaden zufügt. Die Welt gewinnen, heißt für ihn Gott verlieren. Gottvertrauen ist ihm wichtiger als Weltläufigkeit.

Diese Weltskepsis ist unserem Christsein eine unangenehme Irritation. Wir mögen es nicht, wenn uns der Glauben so sehr bei den Dingen des Alltags auf die Haut rückt. Lieber winden wir uns in der Bequemlichkeit unserer Kompromisse, als das wir die Eindeutigkeit einer Entscheidung aus Glauben riskieren. Wir suchen den Anschluss an die weltlichen Dinge; Verständnis und Einfühlung bis zur Selbstaufgabe ist unsere alltägliche Praxis. Im Gegensatz dazu würde Matthäus uns mit Jesu Worten die Kritik der Welt lehren; er würde den Schein der Dinge bloß legen und die Krankheiten unserer Zeit benennen.

Wenn wir jetzt die ganze Welt gewonnen haben und sie dabei gleichzeitig zu Grunde richten- sie bereisen, begooglen, erkaufen – werden wir dann noch merken, welchen Schaden unsere Seele daran genommen hat? Matthäus hält uns in Jesu Namen die heilsame Therapie der Eindeutigkeit bereit. 

Pfarrer Dr. Uwe Weise