Gott war es

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.  (2. Kor 5, 19)   
 
Letztens, bei einem Besuch sagte mir ein älterer Herr mit der ganzen gläubigen Würde seines Alters:

„Wenn das Leben aufs Ende geht, muss man seinen Frieden machen, sonst stirbt man unruhig!“

Sich mit seinem Leben zu versöhnen, gerade auf die Länge gesehen, mit allen Höhen und Tiefen, mit allem Glück und aller Schuld, mit allen Widerfahrnissen und allen Wundern, mit den geglückten und den missglückten Beziehungen – diese Versöhnung vor allem mit sich selbst und Gott zu suchen, kann einem Menschen eine ganz andere Sicht auf Gottes Spuren im Leben schenken.

Das Alter bringt eine nützliche Unschärfe im Erinnern und Bewerten mit sich, die bei dieser persönlichen Versöhnungsarbeit hilfreich sein kann. Wo kommt mit mir und mit Gott etwas zur Ruhe, zum Frieden, zur Versöhnung?

Der nun schon sehr betagte Schriftsteller und preußische Chronist Günter de Bruyn sagte einmal, er wünsche sich nichts mehr, als in Ruhe gelassen zu werden. Was sich im ersten Moment vielleicht etwas misanthrop anhört, meint eigentlich den Wunsch, sich nicht von den wichtigen Dingen des Lebens ablenken zu lassen. Wir müssen uns Raum schaffen, damit in der Bilanz unseres Lebens Gott seinen Platz einnehmen kann. Die Erneuerung des alten gelebten Lebens indem Gott darin sichtbar wird, ist der entscheidende Schritt dazu, Frieden zu machen.

Der Apostel Paulus war in seinem Leben auch umgetrieben und geschüttelt. Wenn er aber an Gottes Handeln in Jesus Christus dachte, dann wurde er ruhig. Die Gewissheit, das Ende naht, und Gott wird heilen, zurechtbringen, beruhigen, was bei mir Fragment bleibt; dass hat ihm die Sicherheit gegeben, trotz aller Lebensunruhe auf Gott zu vertrauen.

Pfr. Dr. Uwe Weise