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Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung.

(Kolosser 1,15)   

Ganz schön gewagt, den unsichtbaren, unfassbaren Gott des Volkes Israel auf den Wanderprediger Jesus von Nazareth herunterzuziehen. Dort ist also der angeblich ferne Gott ganz nahe, zu sehen in einem Menschenleben, das seinerseits ganz nahe bei Gott und bei den Menschen gelebt wird.

Unter der Wirkung seiner zeitansagenden Worte und befreienden Taten, unter der Erschütterung des tödlichen Angriffs auf ihn und mit der Überraschung, dass von dem hingerichteten Jesus ein unüberwindlicher Lebensimpuls ausging und ausgeht – ist von den Männern und Frauen der Bibel das Bekenntnis ausgesprochen worden: In Jesus spricht und handelt Gott selbst, er ist der lange erwartete Messias, der Christus, der Gesalbte und Gesandte des Gottes Israels für seine Menschen oder – griechisch ausgedrückt – die durchscheinende Ikone („Eben-bild“) des unsichtbaren Gottes. Nach Johannes (14,9) spricht Jesus: Wer mich sieht, der sieht den Vater!

Wer auf Jesus blickt und auf seine Worte hört, bekommt in die Seele eingeschrieben: Der geheimnisvolle Gott leitet dein Leben mit unauslöschlicher Liebe, auch wenn manches wehtut, vieles nicht zu verstehen ist, Ungerechtigkeit in der Nähe und in der Ferne weiter eine enorme Größe ist, der Tod oft grausam zuschlägt.

Muss der Christus aber deswegen der „Erstgeborene vor aller Schöpfung“ sein?
Auch mit diesen Worten ist ein Bekenntnis ausgesprochen: Der Christus ist der erstrangige, der bevorzugte Verursacher und Verbreiter des neu aufgerichteten Lebens und der unverwüstlichen Liebe. In ihm macht Gott schon jetzt sichtbar, hörbar, fühlbar: er wird seine vielfach angeschlagene Schöpfung zu seinem Reich der Gerechtigkeit, des Friedens, der Freude gestalten, ob wir sie als Natur, als Kultur, als geschichtlichen Lauf einer Entwicklung wahrnehmen, die als Aufstieg oder als Niedergang interpretiert werden kann.

Wir dürfen das, was Gott durch den Christus in die Welt bringt, nicht klein reden, nämlich die begründete Hoffnung, dass wir mit allem, was in der „sichtbaren und unsichtbaren Welt“ (so das Nizänische Glaubensbekenntnis) existiert, beim Ziel der zurechtgebrachten Schöpfung, dem Reich Gottes ankommen werden. Die Ungerechtigkeiten, das große Zerstörungspotential, die Verdrehung der Wahrheit, kurz: die Sünde in ihren vielen Gestalten werden das nicht verhindern. Für uns und alle eine wunderbare Gewissheit!

Dietrich Hallmann, Pfarrer i. R.